Als Säugling von der Mutter getrennt

24. Avril 2026

Uschi Waser war eines der 586 «Kinder der Landstrasse», die ins Heim gesteckt wurden. Am Montag setzt der Nationalrat ein Zeichen, wie das Land damit umgehen will.

Der Bund/Tamedia, Fabian Fellmann

Im bewegten Leben von Uschi Waser ist es ein «wichtiger und entscheidender Moment». Der achte Punkt auf der Liste der Sondersession, die am Montag im Bundeshaus beginnt: «Erklärung des Nationalrats. HistorischeVerfolgung der Schweizer Jenischen und Sinti.

» Uschi Waser ist eine Jenische, sie hat die Verfolgung am eigenen Leib erlebt. Sie war erst wenige Monate alt, als 1953 die Polizei vorfuhr. Die Beamten trennten Uschi Waser von ihrer Mutter und steckten sie in ein Kinderheim. Als eines der 586 «Kinder der Landstrasse», wie sie Pro Juventute damals nannte, als die Stiftung versuchte, die Kultur der Fahrenden auszulöschen. Im Februar ist ein Buch über ihre Geschichte erschienen.

Inzwischen ist Uschi Waser 73 Jahre alt. Sie wird am Montag auf der Zuschauertribüne verfolgen, ob der Nationalrat das Unrecht als «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» anerkennt. Die Zeichen sprechen dafür. Die Rechtskommission hörte im Herbst eine Delegation von Jenischen an. Danach sprach sich eine klare Mehrheit für die Erklärung aus, mit Ausnahme von acht Mitgliedern der SVP-Fraktion.

«Es wird wieder einmal über uns geredet und entschieden», sagt Waser. «Wir kennen nichts anderes.» Aber sie hofft, dass sie diesmal gehört wird. Das Datum der Erklärung ist bedeutend. Vor 100 Jahren, im Sommer 1926, veröffentlichte Alfred Siegfried in der NZZ mehrere Artikel, die den Beginn von «Kinder der Landstrasse» bildeten.

Erst 1973 löste Pro Juventute das Hilfswerk auf, nachdem Kritik laut geworden war. Es folgten Entschuldigungen und Entschädigungen. Jenische wollen eine unabhängige Kommission Doch gründlich und sauber erforscht wurden die Vorfälle bis heute nicht. «Die Schweiz wollte diese Geschichte nicht aufarbeiten, sie hat es immer wieder hinausgezögert», sagt Waser. Die Aufarbeitung soll mit der Erklärung durch den Nationalrat einen Schub erhalten.

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